Editorial (46-1 | Dez. 2014/Jan. 2015)

quaas verlauf

Advent

ich nutze zu Beginn der Adventszeit die Gelegenheit, um auf einen Mann zu verweisen, der aus unserer Advents- und Weihnachtszeit nicht wegzudenken ist, der sich aber trotzdem....
 

... an unseren Krippen und in unseren adventlichen Fensterbildern nicht wiederfindet. Er ist kein König, er ist kein Hirte. Er ist eher ein Kauz. Ein Freak. Es wird von ihm erzählt: Er ernährt sich von Heuschrecken und Honig, trägt einen Mantel aus Kamelhaar, lebt alleine in der Wüste und wartet auf den Messias, den Retter. Den, der alles gut machen wird. Kein starker, beeindruckender Mann, sondern eher ausgezehrt 

von der langen Zeit in der Wüste. Einsam. Etwas seltsam. Sein Name: Johannes, der Täufer.
 

Der war von den Worten des Jesaja so bewegt, dass er die Wüste verlassen hat und den Menschen zu predigen begann: Bereitet dem Herrn den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserem Gott. Alle Täler sollen erhöht werden und alle Berge und alle Hügel sollen erniedrigt werden; und was krumm ist, soll gerade werden und was uneben ist, soll ebener Weg werden; denn die Herrlichkeit des Herrn soll allen Menschen offenbart werden. (Jesaja 40,3–5)
 

Das, liebe Gemeinde, ist ein gerne überhörter Teil der Adventsbotschaft: Macht Platz für Gott. Bereitet euch vor. Es kommt einer und wenn er kommt, geht es um die Umkehrung alles bisher Gewesenen. Hohes wird tief. Tiefes wird hoch. Krummes wird gerade. Unebenes wird eben. – Diese Botschaft ist alles andere als beruhigend.

Vorbereitung kostet Mühe. Veränderung ist anstrengend. Wenn Gott kommt, ändert sich unsere Ordnung – denn Gottes Ordnung ist eine andere als unsere. Aber genau das ist die Botschaft von WeihnachtenIn den nächsten Wochen werden die Engel dominieren. Engel, die vom Himmel kommen, schöne Worte sprechen (oder sogar singen): Fürchtet euch nicht! Euch ist heute der Heiland geboren! Und die Sterne werden dominieren. Sterne, die den Weg weisen und viel Licht bringen.

Aber es gibt auch Freaks, die Heuschrecken und Honig essen, aus der Wüste kommen und von großen Veränderungen reden. Deren Worte bedrohlich sind: Ändert euch. Bereitet euch vor. Wenn Gott kommt, dann bleibt nichts, wie es war. Vielleicht hat Johannes der Täufer in diesem Jahr einen Platz in Ihrem Fensterbild oder als Krippenfigur in Ihrer Krippe.

Gott, als kleiner Mensch in der Krippe, kommt hilflos und arm. Wird Mensch wie wir und lässt sich auf unser Leben ein. So nah ist ein Gott noch nie seinen Geschöpfen gekommen. Das ist unser Trost: Gott wird wie wir und ist uns nah. Aber – und das ist die Fortsetzung der Weihnachtsgeschichte: Aus dem kleinen Mensch in der Krippe, wird ein großer Mensch, dessen Botschaft der des Johannes sehr ähnlich ist: Macht Platz für Gott. Bereitet euch vor. Hohes wird tief und Tiefes wird hoch. Krummes wird gerade. Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen.


Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit! 

Ihre Pfarrerin Anne Kathrin Quaas